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Schwimmschlammbekämpfung auf der Kläranlage Frielendorf

 

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Schwimmschlammbekämpfung auf der Kläranlage Frielendorf 2003

Die Kläranlage Frielendorf ist eine Anlage ausgelegt mit niedriger Schlammbelastung und hohem Schlammalter. Als Kombinationsbecken wird sie auch ohne Vorklärung gefahren. Die Schlammbelastung lag weit unter <0,05 kg/ (kg*d). Dadurch kam es in den warmen Jahreszeiten häufiger zu massenhaften Auftreten von dem Bakterium Microthrix parvicella.

Aufgrund von Mangelsituationen wegen der hohen Oberflächen und Volumenverhältnisse an Substrat, Nährstoff und Sauerstoff hatte Microthrix Wachstumsvorteile gegenüber Flockenbildenden Bakterien. Zudem begünstigt durch die Annahme von Fäkalschlamm aus Ortsteilen der Gemeinde und die Rückführung von Trübwasser. Auch spielte es eine Rolle, dass bei der Belüftung des Belebungsbeckens, nur ein Gebläse zur Verfügung stand obwohl wir 3 Gebläse haben, die halt täglich wechseln.

So genannte Experten meinten, dass es reicht die Anlage mit einem O2-Gehalt bis max. 1 mg/l zu fahren. So kam es dann, dass bei zunehmender Belastung ein Gebläse 24h lief und den Maximalwert nicht erreichte. Hierin sehe ich auch einen Grund für die Zunahme von den Fadenbakterien.

Im letzten Jahr wurde es so schlimm, dass wir auf der Belebung einen durchgehenden Schaumbelag hatten und in der Nachklärung eine Schwimmschlammdecke von ca. 10cm dicke. Schlammabtrieb war dann die Folge. Interessanterweise war die Abbauleistung sehr gut und ich habe dann die Zunahme dieses Bakteriums nicht so sehr beachtet. Unsere Schwimmschlammabzugspumpe auf der Nachklärung konnte den dichten und dicken Schlamm nicht mehr abziehen. Was noch ging wurde in das Belebungsbecken gefördert und war dann irgendwann wieder in der Nachklärung.

So habe ich dann ein Unternehmen beauftragt, dass den Schlamm aus der Nachklärung abgezogen hat. Aber kurze Zeit später war wieder eine neue Schwimmschlammdecke vorhanden!

Ich habe dann die Untere Wasserbehörde informiert, mit dem Herrn Petrin und Danz sowie auch mit Kollegen gesprochen, die auch dieses Problem haben. Herr Petrin gab mir dann ein Heft von der ATV wo über Microthrix berichtet wurde und was man machen kann ohne gleich zu chemischen Mitteln zu greifen.

Als erstes habe ich den O2-Gehalt langsam auf über 2mg/O2 gefahren. Am Anfang dachte ich, je mehr ich Belüfte desto schlimmer wird das mit dem Schaum. Aber nach ca. 14 Tagen merkte ich, dass es weniger wird. Außerdem habe ich die Schlammbelastung erhöht. In dieser Zeit musste ich noch 2 x Schwimmschlamm aus der Nachklärung abziehen lassen. Diesen habe ich dann in eine separate Kammer des Schlammsilos pumpen lassen, kein Trübwasser abgezogen und ausfaulen lassen.

Die Abbauleistung war weiterhin gut, bis auf den Nitratgehalt der bis zum Grenzwert und manchmal auch darüber anstieg.

Danach wurde die Belüftungssteuerung geändert. Jetzt fahren gleichzeitig 2 Gebläse bis zum Max-Wert von 2 mg/l. Dann schaltet Gebläse 3 dazu und läuft über einen FU gedrosselt um den Wert ca. 20 Min. zu halten. Danach haben die Gebläse eine Zwangspause von ca. 30 Min. um auch eine Denitrifikationsphase zu haben.

Den anfallenden Fäkalschlamm lasse ich ca. 500 m vor der Kläranlage in den Kanal, wo er sich mit dem Abwasser vermischt.

Nach meiner Erfahrung kann der Schwimm- Blähschlamm und Schaumbildung mit konsequentem, großflächigem Entfernen aus dem System entgegen gewirkt werden.

Die Minimierung der unbelüfteten Zonen und gleichzeitig geringfügiges Anheben des Feststoffgehaltes scheint den fadenbildenden Bakterien einen Lebensvorteil zu nehmen.

Zu wünschen wäre noch eine Installation und durchgängige Nutzung einer Trübwasserbehandlung.

Bei Rechteckbecken kann man am Ende der aeroben Zone eine sich über die Breite des Beckens führende Entgasungszone abteilen. Sie sorgt dafür, dass keine Gasblasen in die Nachklärung gelangen und so auch den Auftrieb von Schlamm minimieren.

Da wir dieses Problem ohne chemische Mittel in den Griff bekommen haben, haben wir hier natürlich keine Erfahrung.

Da jede Kläranlage sich anders verhält müssen diese Maßnahmen nicht zwangsläufig bei allen zu einer Verbesserung führen. Aber Sauerstoff, in ausreichender Menge, braucht auch heute noch jede Belebung.

Verfasser:
Heinrich Wüst, Abwassermeister

 

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Stand: 14. März 2014